Vor vier Wochen saß ich mit Timm auf den Adobe Commerce Partner Days in Barcelona; eine Woche davor war ich beim Adobe Commerce EMEA Tour for Partners in München. Adobe hat uns schon damals unter NDA gezeigt, was jetzt auf der Summit 2026 in Las Vegas offiziell angekündigt wurde. Vorab-Eindruck: Adobe Commerce fährt einen deutlichen Pivot — weg vom isolierten Storefront-System, hin zu einer AI-first-Commerce-Infrastruktur, die sich auch in fremden Discovery-Kanälen durchsetzen will.
Dieser Post ist ein komprimierter Recap dessen, was auf der Summit angekündigt wurde, und was vier Themen davon aus meiner Sicht den Unterschied machen werden. Die offizielle Commerce-Highlight-Session steht als On-Demand zur Verfügung. Deep-Dives zu einzelnen Produkten folgen.

Was Adobe Commerce auf der Summit 2026 angekündigt hat
Die Ankündigungen gruppieren sich entlang zweier Opportunities: AI-driven Product Discovery (also Sichtbarkeit und Aktionsfähigkeit in LLM-Kanälen wie ChatGPT, Gemini, Perplexity) und Elevated Owned Experiences (Storefront, Conversion, Loyalty).
Die wichtigsten neuen Produkt-Bausteine:
- Commerce MCP Server – ein Model-Context-Protocol-Server, der die Entwicklung von Integrationen und Erweiterungen rund um Katalog, Warenkorb, Preise, Bestand, Promotions, Checkout, Order Management und Post-Purchase beschleunigt. Aktuell eng mit dem Commerce Integration Starter Kit verknüpft und bildet die ideale Brücke für Integrationen auf Basis von Adobe AppBuilder.
- Commerce Developer Agent (coming soon) – eine AI-gestützte Tool-Suite, die bestehende Commerce-Implementierungen analysiert, den Migrationspfad zu Adobe Commerce as a Cloud Service (ACCS) kartiert, Legacy-Code und Storefronts zu Event-basierten Apps und Storefront-Components transformiert.
- Brand Concierge × Adobe Commerce – Integration der konversationellen Brand-Concierge-Experience direkt in den Storefront. Shopper erhalten Echtzeit-Katalog- und Bestandsdaten in einer Chat-Oberfläche; Händler erhalten Visibility auf das, was Shopper suchen und wie AI antwortet.
- B2B-Drop-ins – neue native Komponenten für komplexe B2B-Journeys: Company-Account-Management, Negotiable Quote Management, Requisition Lists und Purchase-Order-Workflows. Ersetzt bisherige Custom-Builds in vielen Enterprise-B2B-Szenarien.
- Native LLM-Visibility-Funktionen – Capabilities, die dafür sorgen, dass Produkt-Daten strukturiert und kontextreich genug sind, um in AI-Assistenten korrekt interpretiert und empfohlen zu werden.
- UCP / ACP Support – Adobe Commerce committet sich auf Universal Commerce Protocol und Agentic Commerce Protocol als offene Standards, damit AI-Agenten nicht nur empfehlen, sondern direkt kaufen, tracken und retournieren können.
- Partnerschaften mit PayPal, Stripe und Adyen – Checkout-Standards und frictionless-Transactions in AI- und Marketplace-Kontexten. PayPal erweitert die bestehende Produktdaten-/Checkout-Integration auf LLM-getriebene Oberflächen wie Perplexity und Copilot.
Aus dem Vorjahr setzen zwei Bausteine den Kontext: Adobe Commerce as a Cloud Service (ACCS) als neue Cloud-native-Plattform und der Adobe Commerce Optimizer (ACO) als Composable-Layer für Mono-zu-Multi-Storefront-Szenarien. Alle Summit-2026-Neuheiten laufen in diesem Rahmen.
Vier Themen, die in Barcelona besonders Eindruck gemacht haben
Aus antegma-Sicht — wir arbeiten täglich an Adobe-Commerce-Implementierungen — sind vier Bausteine besonders relevant:
Commerce MCP ist Adobe's ehrlichste AI-Wette
Der Commerce MCP Server ist für mich die bedeutsamste Ankündigung. Der MCP-Standard (Model Context Protocol) beschleunigt die Entwicklung von Integrationen und Erweiterungen, die auf Adobe-Commerce-Kernobjekte zugreifen — die fertigen Integrationen erhalten dann den tatsächlichen API-Zugriff, der MCP-Server selbst ist ein Developer-Beschleuniger. Aktuell ist der Server eng mit dem Commerce Integration Starter Kit verknüpft und bildet die ideale Brücke für Integrationen auf Basis von Adobe AppBuilder. Wir setzen Commerce MCP bereits in einem aktuellen Kundenprojekt ein. Das ist weniger Hype als konkrete Developer-Infrastruktur — ein Beschleuniger für das Bauen von ACCS-Extensions und -Integrationen, nicht ein Endkunden-Feature.
Der Commerce Developer Agent macht Migrationen plötzlich kalkulierbar
Jede Magento-/Adobe-Commerce-Migration auf ACCS war bisher eine Risk-und-Aufwands-Schätzung mit breiter Unsicherheitsspanne. Der neue Commerce Developer Agent analysiert die bestehende Implementierung, schlägt einen Migrationspfad vor und migriert Legacy-Code schrittweise auf Event-basierte Apps und moderne Storefront-Components. In Barcelona haben wir den Agent im Hands-on-Format gegen reale Migrationsprojekte laufen sehen. Wenn die Qualität hält, was die Early-Access-Demo versprochen hat, verschiebt sich die ROI-Rechnung jeder Migration spürbar nach vorne — nicht, weil die Features besser werden, sondern weil Projektrisiken und Team-Stunden messbar runtergehen.
Brand Concierge ändert, wie Shopper die Produktsuche starten
Die Integration von Brand Concierge in Adobe Commerce bedeutet, dass konversationelle Shopping-Erfahrungen direkt im Storefront stattfinden — nicht in einem Drittanbieter-Chatbot-Widget, sondern mit Echtzeit-Zugriff auf Katalog, Pricing, Inventar. Aus meiner Sicht ist das der ernstzunehmende Gegenspieler zur Bewegung „Shopping verschiebt sich in ChatGPT“: Adobe sagt, Discovery kann auch auf der eigenen Marke stattfinden, wenn die eigene Experience konversationell genug ist. Wie gut das adaptiert wird, hängt an zwei Faktoren: Produkt-Datenqualität und der Bereitschaft des Händlers, Shopper-Konversationen als Erkenntnisquelle zu nutzen.
B2B-Drop-ins schließen eine Enterprise-Lücke
Die neuen B2B-Drop-ins — Company-Account-Management, Negotiable Quote Management, Requisition Lists und Purchase-Order-Workflows — schließen eine Enterprise-Lücke, die bisher in fast jedem B2B-Projekt als Custom-Build nachgerüstet werden musste. Wir setzen die Drop-ins bereits im Design einer aktuellen antegma-Kundenimplementierung ein. Der Produktivitätsgewinn: Entwicklerteams fokussieren sich auf tatsächliche Differenzierung — Pricing-Logik, Approval-Hierarchien, ERP-Integration — statt auf Commodity-Features, die jetzt out-of-the-box kommen. Für Händler mit komplexem B2B-Geschäft ist das ein konkreter TCO-Hebel, nicht nur eine Feature-Ankündigung.
Was das für E-Commerce-Teams bedeutet
Für die meisten Adobe-Commerce-Kunden, mit denen wir arbeiten, kristallisieren sich aus diesen Ankündigungen zwei Empfehlungen heraus:
- Produkt-Datenqualität wird jetzt Commerce-Infrastruktur. Wer heute nicht strukturiert auf seinen Product Data Layer schaut — Attribute, Kategorien, Rich-Content, Metadaten — wird weder in LLM-Discovery noch im Brand-Concierge-Kontext gut funktionieren. Das Thema wandert aus dem PIM-/DAM-Silo in die Commerce-Core-Verantwortung. Ein strukturiertes Audit auf Product-Data-Readiness ist der naheliegende nächste Schritt, unabhängig davon, ob Sie schon auf ACCS sind.
- Die Migration-Rechnung sollte neu gemacht werden. Wer noch auf Adobe Commerce 2.x (früher Magento) oder einer älteren Commerce-Cloud-Variante läuft und bisher aus Aufwandsgründen abgewartet hat: mit dem Commerce Developer Agent ändert sich der Business Case deutlich. Wir empfehlen, eine neue Aufwands- und Risiko-Einschätzung anzustoßen, sobald der Agent allgemein verfügbar ist — idealerweise schon mit einer vorbereitenden Migration-Assessment-Phase.
Was bleibt: Die eigentliche Wertschöpfung hängt nicht am Feature, sondern am Setup. Agentic Commerce macht schlecht strukturierte Kataloge nicht besser — sie skaliert nur deren Schwächen.
Unsere Follow-ups
Weil das Thema mehr Substanz hat als ein Post tragen kann, vertiefen wir in den nächsten Wochen:
- Commerce MCP in der Praxis: welche Developer-Use-Cases und Integrationspfade sich als Erste lohnen — inklusive Insights aus unserem laufenden Kundenprojekt
- B2B-Drop-ins im Einsatz: was sich out-of-the-box lohnt, wo Custom-Work weiterhin nötig bleibt
- Commerce Developer Agent: Migration-Readiness-Assessment für Bestandskunden
- Produkt-Daten-Readiness für LLM-Discovery — wo die meisten heute hängen
- Brand Concierge auf dem eigenen Storefront: Setup, Governance, Messbarkeit
Die vollständige Summit-Commerce-Ankündigung steht im Adobe-Business-Blog.


